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Bearbeitet von: Prof. Carol Hasler

Unsere Website richtet sich an alle an OI Interessierten, natürlich auch an Fachpersonen. Das hat zur Folge, dass einzelne Textstellen für Laien nicht auf Anhieb verständlich sein dürften. Lassen Sie sich nicht entmutigen, fragen Sie den Arzt oder die Ärztin Ihres Vertrauens.

Extremitäten-Nagelung bei OI (Glasknochen)

Ziele

  • Knochenbegradigung
  • Verminderung der Frakturen (Knochenbrüche)
  • Verhinderung von Fehlstellungen nach Brüchen
  • Sitz-, Steh- und Gehfähigkeit ermöglichen

Problematik & Komplikationen

  • Technisch sehr anspruchsvoll
  • Wanderung des Nagels
  • Perforation
  • Ungenügende Länge
  • Ungenügende Knochenstabilisation

Sofield-Millar-Technik der Nagelung

Bei dieser Methode (Nagelungstechnik) wird der krumme Knochen durch mehrere Osteotomien (Durchtrennung des Knochens) und mit Hilfe eines rostfreien Stahlstabes begradigt.

Heutige Vorschläge:

  • Nagelung früher (18 Monate), dank der Pamidronat-Behandlung (Bisphosphonat)
  • Evtl. Schienung vor Nagelung
  • So wenig Osteotomien wie möglich. Bei drei Osteotomien und mehr wird die Heilung des Knochens möglicherweise verzögert. Eine weitere Problematik ist die Verdünnung des Knochens.
  • So wenig Denudieren wie möglich. Die Knochendurchtrennungen können meist sogenannt perkutan, d.h. ohne Darstellung des Knochens, durch die Haut vorgenommen werden.

Teleskopnagel (Dubow-Bailey)

Xray of Tibia

Der Dubow-Bailey-Nagel ist ein ausziehbarer Teleskopstab, d.h. die eine Hälfte des Nagels besteht aus einer Röhre und die andere Hälfte aus einem Stift. Je ein Ende jeder dieser Hälften wird im Knochen fest verankert. Somit kann beim Wachstum des Knochens der Stab aus der Röhre gleiten, also gewissermassen mitwachsen. Aufgrund der häufigen Komplikationen wird dieses Produkt nur noch von wenigen Chirurgen verwendet.

  • Der Nagel passt sich dem Wachstum des Knochens an (funktioniert wie bei einer ausziehbaren Antenne)
  • Dieser Nagel ist nur für das Femur (Oberschenkel) geeignet
  • Weniger Reoperationen als die sog. "Rush-Pins" (vgl. unten)
  • Häufige Problematiken: Diskonnektion (Trennung) / Wanderung des Nagels; Verklemmung; Verbiegung, da der Stab zu schwach ist
  • Kniearthrotomie (operative Öffnung des Kniegelenkes)

Teleskopnagel (neue Generation) Fassier-Duval

  • Keine Knie- oder Sprunggelenkseröffnung (Arthrotomie), da beide Nagelkomponenten anterograd, d.h. von rumpfnah nach peripher, über einen Schnitt eingebracht werden können
  • Weniger invasiv (von lateinisch: invadere - einbrechen, eindringen)
  • Technisch anspruchsvoll

Rush-Pin

Der Rush-Pin ist ein fixer Marknagel. Das Schienbein, innerer Unterschenkelknochen, (Tibia) wird vorzugsweise mit dem Rush-Pin versorgt. Rush-Pins sind stabiler als Teleskopnägel.

Flexible Titannägel (Prévotnägel)

Sind vor allen bei engen Markraumverhältnissen eine gute Alternative, zumal sie auch ohne Gelenkeröffnungen eingebracht werden können.

Spezialanfertigungen

Bei zusätzlichen Fehlstellungen des Schenkelhalses (Coxa vara) bewähren sich Nägel, welche an ihrem oberen Ende zusätzlich eine Schenkelhalsschraube winkelstabil aufnehmen können s.Abbildung). Diese Nägel können auch ohne Gelenkeröffnung implantiert werden.

 

Postoperative Phase

  • Ruhigstellung so kurz wie möglich (3 Wochen)
  • Möglichst kein "Max und Moritz"-Gips
  • Besser OS-Gips mit Standverbindung
  • Neues Material : Soft cast (Vorteile: viel leichter, keine Druckstellen; Nachteil: etwas weniger stabil)
Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 06. April 2011 um 10:04 Uhr